[DSA-Kolumne] 

Warum „Demonicon“ und „Blackguards“ große Chancen fürs DSA sind

07.04.2013, 13:31 Uhr
DSA-Kolumne


Nach dem Berg Drakensang war alles möglich

Wir alle erinnern uns noch gut an „Drakensang“. Radon Labs Spiel löste eine wahre Renaissance für die virtuelle DSA-Welt aus und legte die Saat für eine Reihe aventurischer Video-Spiele. Satinavs Ketten wusste zu gefallen und Herokon zeigt für ein MMO Potenzial DSA endlich mal online mit den Freunden zocken zu können und das in gepflegter Manier. Der Satinavs-Ketten-Nachfolger wird nun „Memoria“ heißen und tatsächlich die elegische Geschichte um Vogelfänger Geron und Fee Nuri weiterführen, jedoch werden noch neue Charaktere hinzugezogen, die wir dann durch das frische DSA-Adventure steuern dürfen. Daedalic hat aber noch ein anderes Feuer im Eisen, das zuerst „Circle of Legends“ hieß und jetzt in „Blackguards“ umbetitelt wurde. Ein rundenbasiertes RPG, das im Süden Aventuriens angesiedelt ist und ein gutes Kontrastprogramm zum actionlastigeren „Demonicon“ bilden könnte. Beide Spiele sind nach Daedalics gelungenem Experiment die DSA-Welt mit einem Adventure zu kombinieren, weitere Versuche DSA-Videospiele auf eine andere Ebene, als die des Urgesteins, der Nordlandtrilogie, zu heben. Beide tun das mit einem zwar ähnlichen, aber gerade im Detail doch recht unterschiedlichem Ansatz. Wieder einmal ein Grund für uns genauer hinzusehen.

Dieser Tage strahlt das Nordland

Das Quasi-Remake der Nordlandtrilogie unter der Federführung von unserem allseits beliebten Foren-Ivan ist dieser Tage in aller Munde und lässt viele alte, aber auch neue DSA- und Fantasy-Interessierte aufhorchen. Es darf sich also Hoffnung gemacht werden, wieder mal richtig zünftige Rollenspielkost mit neuer Würzung genießen zu dürfen. Die ersten Bilder lassen jetzt kein „Skyrim“ oder „The Witcher 2“ erwarten, aber wer will das auch schon? Thorwal, Riva und andere aventurische Ecken würde sich der Kolumnist auch durchaus in Gothic 2-Optik zu Gemüte führen und das mit Freuden. Da wird ein Stück Nostalgie aufbereitet und sieht mir, den Screens nach jetzt schon schmuck genug aus, dass ich bereits Kartoffelchips und Cola bei mir daheim auf Vorrat gebunkert habe. Durchwachte Nächte direkt nach dem Release sind also schon eingeplant. Nordland, ich komme! Doch zurück zu unseren anderen beiden aktuellen Titeln. Auf der einen Seite gibt es nämlich die Freude auf ein Stück Vergangenheit, die schön wieder aufzulodern scheint, auf der anderen zwei neue DSA-Spiele, die es in den gleichen Tagen, in denen sich das Erscheinen der Neuauflage der „Nordlandtrilogie“ ebenfalls ankündigt, nicht ganz so leicht haben, aber dennoch wegweisende Rollen für die Zukunft des DSA spielen könnten.

Drakensang brachte Fluch und Segen

„Drakensang“ war bunt und hübsch und traumhaft süß, mit Zucker, Sahne und einer Kirsche oben drauf. Es war ein schönes Aventurien, beinahe so schön, dass man leicht hätte glauben können, Radon Labs wäre einen Pakt mit dem Namenlosen eingegangen, um die wundervollsten Passagen des Regelwerks direkt auf den Bildschirm zu transportieren. Das überaus gelungene „Drakensang: Am Fluss der Zeit“ steigerte diese mannigfache Vielfalt an bunten Impressionen noch und hinterließ (obwohl Radon Labs für das, was sie machen wollten viel richtig gemacht haben) den Eindruck, Aventurien wäre durch und durch ein kunterbuntes Treiben. Die Andeutung, dass es auch düstere Flecken auf Dere gibt, war im ersten Teil vor allem in Moorbrück zu finden, wo der Kolumnist gesteht, er jedes mal heilfroh ist, wenn er da wieder raus ist, weil er die Stimmung dort überaus bedrückend findet. Jedoch deckt sich dieser Plüschtierfantasy-Eindruck sicherlich mit dem Bild, dass viele von der DSA-Welt haben, die sie gerade durch ein paar Spielabende in den 1980er- und 1990er-Jahren kennenlernten oder nur aus Erzählungen kennen. Vor der Einführung der „Schwarzen Lande“, die dann später umbenannt wurden und aktuell „Dunkle Lande“ heißen, war der aventurische Kontinent vielleicht ein Hort voll unheilvoller, düsterer Magier, Namenlosen-Kultisten, Orks und anderer Schergen, jedoch gab es bis auf das Orkland nichts, das einem düsteren oder gar Horror-Setting gleichkam. Dies wurde dann durch die Borbarad-Invasion und die damit einhergehende Entstehung dunkler Orte und Gebiete geschaffen, jedoch hatten noch viele das Bild einer kuscheligen, mittelalterähnlichen Welt im Sinn, in der Hügelzwerge, wie Hobbits, den ganzen Tag am Flußufer tagträumen und kühne Abenteuertruppen, wie die Gemeinschaft des Rings, in fantastischen Welten schier unglaubliche Abenteuer bestehen.

Die Angst des Fantasy-Autors vorm Klischee

„Demonicon“ und „Blackguards“ wollen jetzt andere Wege gehen, ein anderes Aventurien, als das stereotype zeigen. Natürlich laufen sie damit beide Gefahr sich unfreiwillig der Klischees zwar DSA-fremder, aber genreprägender Fantasy aus allen medialen Bereichen zu bedienen. Heißt: Wenn Noumenas „Demonicon“ theoretisch plump bei „Diablo 3“ abkupfern würde, wäre zwar sicherlich vieles in dem Spiel drin, was noch nie in einem DSA-Videospiel zu sehen war, jedoch haben wir dann auch nichts weiter, als einen Diablo-Klon im DSA-Gewand. „Demonicon“ soll nun deutlich düster werden, die Menschen in den Dunklen Landen sind ein raues Gezücht. Die Gegenden dort sind dämonisch geprägt und haben einen Schlag Menschen und anderer aventurischer Rassen hervorgebracht, der nicht mehr viel mit dem freundlich grinsenden Die-Zwölfe-Zum-Gruße-Aventurier zu tun haben muss.

Demonicon und Blackguard werden ein anderes Aventurien zeigen, als viele denken

Daedalic macht bei „Blackguards“ hingegen den mutigen Schritt Anti-Helden statt Helden in den rundenbasierten Kampf zu schicken. Erst mal mag es nach einem weiteren Fantasy-Klischee klingen, wenn die Hauptfigur ein verurteilter Mörder ist, der mitziehende Magier als „Sittenstrolch“ durchgeht und die Halbelfe in der Gruppe ein Drogenproblem hat. Klingt erst mal wie der Anfang eines Witzes, bei dem bezweifelt werden darf, ob der am Ende auch lustig und damit gut ausgeht. Doch auch hier gilt, wird plump von anderen Fantasy-Größen, wie „The Witcher“ oder „Game of Thrones“ abgekupfert, dann wird es auch nichts mehr als eine Randnotiz auf Wikipedia daraus. Doch wenn die Jungs und Mädels von Daedalic es schaffen, ihre Stärken bei der Kreation einmaliger und unvergesslicher Charaktere, wie etwa Rufus aus „Deponia“ auszuspielen und außerdem, den in unserer DSA-Kolumne zu der sündigen Metropole Al Anfa beschriebenen Charme Süd-Aventuriens gut einfängt, bin ich guter Dinge, dass der aventurische Witz im Süden Aventuriens aufgeht und ein echter Brüller wird. Denn mal ganz ehrlich, wann gab es das letzte mal rundenbasierte Fantasy, die auch wirklich etwas taugte? Richtig, die Ausnahmen mögen, wie immer die Regel bestätigen, aber der Zeitgeist lenkte viele RPG-Titel in Richtung Echtzeit und ersetzte die früher so beliebten Runden immer mehr. Wieso eigentlich? Klar, ist es nach jahrelangem Spiel in Runden, auch mal erfrischend, anders zu zocken, aber muss es deshalb ganz verschwinden? Eine kleine Renaissance des rundenbasierten Rollenspiels am Heim-PC und der Konsole wäre doch nicht so verkehrt. Hat doch früher auch Spaß gemacht.

Ein Blick gen Horizont – es gibt Hoffnung

Wie sie es auch machen, die beiden Spiele „Demonicon“ und „Blackguards“ haben es, wie gesagt beide nicht leicht, denn beide begeben sich für Computer- und Videospiele auf völlig neues DSA-Terrain und müssen die Klischeestolperfallen anderer Fantasy-Highlights klug umschiffen. Keine leichte Aufgabe, wünschen wir deshalb Daedalic und Noumena nur das Beste, dass sie auch dieses Abenteuer mit heldenhafter Bravour meistern und wir am Ende, die sind, die mit ausgefüllten Spielstunden vorm heimischen Bildschirm belohnt werden. Ich hole mir schon mal sicherheitshalber eine weitere Ration Kartoffelchips und Cola zum bunkern…

In dem Sinne

Euer hangingtree

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